Gestern habe ich mich tatsächlich wieder wie 16 oder 17 Jahre gefühlt. Schuld daran war meine Frau Gitta, die vor einigen Monaten Karten für ein Konzert der legendären Rockband „The Sweet“ in der Ingelheimer kING gekauft hatte.
Während Gitta als ehemaliger Fan der Band voller Vorfreude war, hielt sich meine Begeisterung zunächst in Grenzen. Meine erste Sorge galt nämlich weniger der Musik als vielmehr der Frage: Muss ich da etwa den ganzen Abend stehen?
Aber weit gefehlt! Die Fans sind schließlich gemeinsam mit ihrer Band älter geworden. Und so gab es ausschließlich nummerierte Sitzplätze. Offenbar war die Vorfreude bei vielen groß, denn das Konzert war bereits seit einiger Zeit restlos ausverkauft.
Gestern war es dann endlich so weit. Der von Gitta lang ersehnte Abend war gekommen: The Sweet traten in unserer Ingelheimer Kulturhalle auf.
Schon eine Stunde vor Konzertbeginn war die Tiefgarage unter der kING komplett belegt, sodass wir auf die Friedrich-Ebert-Tiefgarage ausweichen mussten. Rund um die Halle begegneten uns auffällig viele Rockfans der etwas reiferen Generation. Man hatte fast den Eindruck, als hätte sich die Jugend der 70er-Jahre zu einem großen Klassentreffen verabredet.
Pünktlich um 19 Uhr hieß es dann: Bühne frei für The Sweet!
Von der ursprünglichen Besetzung ist heute nur noch Andy Scott dabei. Mit mittlerweile 77 Jahren, langer weißer Haarpracht und seiner Gitarre zeigte er eindrucksvoll, dass Rockmusik offenbar jung hält. Die vier anderen Bandmitglieder könnten altersmäßig vermutlich seine Kinder oder vielleicht sogar schon seine Enkel sein. Aber eines muss ich sagen: Die Jungs beherrschten ihre Instrumente hervorragend und standen der ursprünglichen Besetzung musikalisch nach meinem Geschmack in nichts nach.
Auch die technischen Voraussetzungen in der kING können sich sehen lassen. Rund 2 Millionen Euro wurden seinerzeit in die Medien- und Beschallungstechnik investiert. Dazu gehört ein aufwendiges elektronisches Raumakustiksystem, mit dem sich der Klang an unterschiedliche Veranstaltungen anpassen lässt.
Dann ging es richtig los! Ein Hit jagte den nächsten. Die großen Erfolge aus den 70er-Jahren wurden gefeiert, mitgesungen und begeistert beklatscht. Und plötzlich waren sie wieder da, die Erinnerungen an unsere Jugend. An eine Zeit, in der diese Musik aus den Radios und Diskotheken nicht wegzudenken war.
Auch wenn die Haare inzwischen etwas grauer und die Bewegungen vielleicht nicht mehr ganz so geschmeidig sind wie damals: Die Begeisterung war dieselbe geblieben. Die ausverkaufte Halle feierte kräftig mit und man merkte den Besuchern an, wie viel Freude ihnen dieser musikalische Ausflug in die Vergangenheit bereitete.
Nach rund einer Stunde und 45 Minuten, ohne Pause, war das Konzert schließlich zu Ende. Die Besucher machten sich glücklich und zufrieden auf den Heimweg. Vielleicht war die Konzertlänge für das inzwischen etwas gereiftere Publikum sogar genau richtig. Wer weiß, ob nicht der eine oder andere reife Rocker bei einem deutlich längeren Auftritt langsam an seine körperlichen Grenzen gekommen wäre.
Mein Fazit: Ich war anfangs eher skeptisch und bin am Ende begeistert nach Hause gegangen. The Sweet haben bewiesen, dass gute Rockmusik kein Verfallsdatum kennt. Und Gitta hatte mit dem Kauf der Karten offensichtlich genau die richtige Entscheidung getroffen.
Für einen Abend waren wir wieder jung. Zumindest im Kopf. Und das ist doch auch schon etwas.
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