12.11.2018 - Wilde Bienen im Ingelheimer Stadtwald

2018 11 09 Imker im Stadtwald

Durch meine Vermittlung haben sich der Imkerverein Heidesheim und unser Stadtförster Florian Diehl kennengelernt – und kurzerhand ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen.

Bei einer Einladung des Imkervereins Heidesheim erzählte mir der engagierte Vereinsvorsitzende Manfred Axtmann von einer besonderen Idee: Bienen sollten wieder möglichst natürlich und ohne menschliche Eingriffe leben können. Dazu braucht es eigentlich nur eine geeignete Behausung – und sehr viel Zeit.

Drei Mitglieder des Vereins hatten zuvor bei einem Lehrgang des Landes Rheinland-Pfalz gelernt, sogenannte „Klotzbeuten“ zu bauen. Dabei handelt es sich um künstliche Bienenbehausungen aus ausgehöhlten Baumstämmen. Ihre Ursprünge reichen weit zurück. Bereits im frühen Mittelalter nutzten sogenannte Zeidler Baumhöhlen oder ausgehöhlte Stämme für Bienenvölker. Die Zeidlerei, eine frühe Form der Imkerei und Honiggewinnung, war besonders in waldreichen Gegenden verbreitet.

Die Heidesheimer Imker suchten zunächst nach großen Bäumen im Stadtgebiet, an denen sie ihre selbst gebauten Klotzbeuten aufhängen könnten. Imker Franz Botens erklärte mir: „Da die Klotzbeuten sehr schwer sind, benötigen wir kräftige Bäume, die dieses Gewicht auch tragen können.“

In einer Höhe von etwa sechs bis sieben Metern werden die ausgehöhlten Baumstämme befestigt. Anschließend bringt der Imker ein Bienenvolk zur neuen Behausung. Wenn alles gut geht, nehmen die Bienen ihr neues Zuhause an. Von diesem Zeitpunkt an bleiben sie weitgehend sich selbst überlassen. Es wird kein Honig geerntet und auf Eingriffe in das Bienenvolk wird verzichtet. Neue Königinnen können ausschwärmen und weitere Bienenvölker gründen.

Und genau an diesem Punkt entstand meine Idee: Warum die Klotzbeuten mitten im Stadtgebiet aufhängen? Der Ingelheimer Stadtwald bietet mit seinen rund 1.200 Hektar wesentlich mehr Raum. Dort könnten die Bienenvölker weitgehend ungestört leben und sich vermehren.

Mein Vorschlag war deshalb ganz einfach: Ich bringe die Imker mit unserem Stadtförster Florian Diehl zusammen. Wenn er von der Idee überzeugt ist, könnten die Klotzbeuten an geeigneten Stellen im Ingelheimer Stadtwald aufgehängt werden.

Die Idee passte hervorragend zu einem Vorhaben, das Florian Diehl schon seit Längerem verfolgt. Er möchte im Ingelheimer Stadtwald Themenwanderwege entwickeln und damit den Besuchern unterschiedliche Aspekte von Natur und Umwelt näherbringen. Gemeinsam mit den „Vogelfreunden Ingelheim“ wurde bereits eine erste Station realisiert.

Nun kamen die Heidesheimer Imker mit ihrem ungewöhnlichen Projekt hinzu – und die Beteiligten waren sich innerhalb von zwei Stunden einig. Ganz nebenbei hatte damit auch ein weiteres Thema für den Wanderweg seinen Namen gefunden: „Wilde Bienen“.

Künftig sollen Klotzbeuten an großen, alten Bäumen im Ingelheimer Stadtwald angebracht werden. Informationstafeln entlang des Wanderwegs sollen erklären, wie die Bienen dort leben, was eine Klotzbeute ist und welche lange Tradition hinter dieser Form der Bienenhaltung steckt.

So wurde aus einer Idee des Imkervereins, einem Gespräch und der passenden Verbindung ein gemeinsames Projekt für den Ingelheimer Stadtwald.

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