Hunde im Freibad – ist das wirklich ernst gemeint?

Gestern habe ich mich während der Stadtratssitzung mal wieder gefragt: Sind da eigentlich ein paar Spaßvögel am Werk, die versuchen, mit möglichst abstrusen Anträgen eine Stadtrats- oder Ausschusssitzung ins Lächerliche zu ziehen?

Bündnis 90/Die Grünen hatten einen Antrag mit zwei Vorschlägen eingereicht, über den gestern im Stadtrat beraten wurde.

Den ersten Vorschlag fand ich durchaus nachvollziehbar: Die Stadt soll prüfen, ob man die Freibadsaison bei entsprechend gutem Wetter um bis zu eine Woche verlängern könnte.

Warum eigentlich nicht? Allerdings dürfte die kurzfristige Personalplanung nicht ganz einfach sein. Auch die Arbeiten, um das Freibad winterfest zu machen, müssten verschoben werden. Und das alles für möglicherweise nur wenige zusätzliche Badegäste. Aber gut, darüber kann man zumindest ernsthaft diskutieren.

Beim zweiten Vorschlag kamen mir allerdings erhebliche Zweifel, ob das tatsächlich ernst gemeint war.

Die Grünen möchten nach dem Ende der Badesaison einen sogenannten „Hundeschwimmtag“ im Ingelheimer Freibad ermöglichen. Unsere lieben Fellnasen sollen dann nach Herzenslust in den Schwimmbecken planschen dürfen.

Hä? Bin ich jetzt im falschen Film?

Hunde in einem Schwimmbecken, das normalerweise von Menschen genutzt wird? In Deutschland wird bei nahezu jeder öffentlichen Einrichtung penibel auf Hygiene und Sauberkeit geachtet. Und hier soll plötzlich ein Freibad zum Hundespielplatz werden?

Hunde verlieren nun einmal Haare, haben vielleicht den einen oder anderen ungebetenen Mitbewohner im Fell oder haben sich kurz zuvor genüsslich in einem fremden Kothaufen gewälzt. Und dass sich ein Hund beim Planschen auch mal im Wasser erleichtert, dürfte ebenfalls nicht ausgeschlossen sein.

Igitt!

Was bedeutet das für die Filteranlagen und die gesamte Wasseraufbereitung? Welche zusätzlichen Reinigungsmaßnahmen wären erforderlich? Und wer bezahlt das alles? Der Hinweis, dass der Hundeschwimmtag nach dem regulären Badebetrieb stattfinden soll, beantwortet diese Fragen jedenfalls nicht.

Und noch eine ganz praktische Frage: Wie sollen die Hunde überhaupt ins Schwimmbecken gelangen? Über die Einstiegsleitern? Oder müssen Herrchen und Frauchen ihre geliebten Vierbeiner hinein- und wieder heraustragen? Eine Rampe gibt es meines Wissens nur im Kleinkinderbecken.

Auch auf den Liegewiesen dürften die Vierbeiner ihre Spuren hinterlassen. Haare und möglicherweise die eine oder andere Hinterlassenschaft inklusive.

Und mal ganz nebenbei: Wir leben in Ingelheim und haben mit dem Rhein, dem Ikasee und der Selz gleich mehrere Gewässer, in denen sich Hunde austoben und abkühlen können. Natürlich nur dort, wo es erlaubt ist. Muss es da wirklich auch noch das städtische Freibad sein?

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Hunde. Aber muss deshalb wirklich jede öffentliche Einrichtung auch für Vierbeiner geöffnet werden?

Ich frage mich jedenfalls, ob wir im Ingelheimer Stadtrat nicht wichtigere Themen haben, als darüber nachzudenken, wie wir unser Freibad nach Saisonende in ein Hundeparadies verwandeln können.

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